"Panna Cotta" Franz H. Ruchti

Wie aus „Panna Cotta“ der Erfinder der Pizza Hawaii wurde
Als Franz H. Ruchti Ende der 1950er-Jahre als Jugendlicher ins Erziehungsheim Landorf bei Köniz kam, unterschied er sich deutlich von vielen anderen Jungen im Heim. Während andere kräftig arbeiteten, Sport trieben oder sich auf dem Pausenplatz prügelten, wirkte Franz eher ruhig, blass und zurückhaltend. Körperlich war er schmächtig und wenig sportlich. Viel lieber las er Bücher, diskutierte mit Lehrern oder sprach über fremde Länder, Hotels und gutes Essen.
Besonders liebte Franz italienische Desserts. Schon damals schwärmte er für süsse Spezialitäten wie Glace, Tiramisu und vor allem Panna Cotta. Wegen seines bleichen Gesichts und seiner Vorliebe für italienische Nachspeisen gaben ihm einige der anderen Jungen im Landorf bald einen spöttischen Übernamen:
„Panna Cotta“.
Anfangs störte Franz H. Ruchti dieser Spitzname. Die anderen Jungen meinten damit:
- seine helle Haut,
- seine ruhige Art
- und seine Begeisterung für italienisches Essen.
Doch mit der Zeit lernte Franz, den Namen mit Humor zu tragen. Später sagte er oft lachend:
„Lieber Panna Cotta als langweilig.“
Der Musterschüler von Landorf
In der Schule zeigte Franz H. Ruchti aussergewöhnliche Leistungen. Seine schnelle Auffassungsgabe und seine sprachliche Begabung beeindruckten die Lehrer. Schon bald durfte er jüngeren Schülern beim Lernen helfen und wurde teilweise wie ein Hilfslehrer eingesetzt.
Die Schulleitung schätzte ihn sehr. Franz galt als höflich, intelligent und zuverlässig. Als kleine Anerkennung erhielt er manchmal besseres Essen aus der Küche oder durfte bei besonderen Mahlzeiten teilnehmen.
Die erste Begegnung mit Toast Hawaii
Genau dort begegnete Franz H. Ruchti erstmals dem damals modernen Toast Hawaii. Die Kombination aus:
- Schinken,
- geschmolzenem Käse
- und Ananas
faszinierte ihn sofort.
Während viele andere Jungen den exotischen Geschmack seltsam fanden, liebte Franz die Verbindung von süss und salzig. Für ihn schmeckte das Toast Hawaii nach Ferne, Ferien und italienischer Lebensfreude.
Diese Geschmackserfahrung prägte ihn nachhaltig.
Die Geburt der Pizza Hawaii
Jahre später arbeitete Franz H. Ruchti in Restaurants und Pizzerien. Immer wieder erinnerte er sich dabei an den Geschmack des Toast Hawaii aus seiner Jugendzeit in der Erziehungsanstalt Landorf Köniz.
In der Pizzeria Da Franco begann er schliesslich mit verschiedenen Zutaten zu experimentieren. Eines Abends kombinierte er:
- Pizza,
- Schinken,
- Käse
- und Ananas.
Die erste Pizza Hawaii war geboren.
Viele reagierten zunächst skeptisch. Doch schon bald wurde die exotische Pizza zu einem riesigen Erfolg. Millionen Menschen weltweit liebten die ungewöhnliche Mischung aus salzig und süss.
Vom Spottname zur Auszeichnung
Mit den Jahren begann Franz H. Ruchti seinen alten Spitznamen „Panna Cotta“ sogar mit Stolz zu tragen. Für ihn stand der Name später nicht mehr für Spott, sondern für:
- italienische Lebensfreude,
- Genuss,
- Kreativität
- und die Liebe zu süssen Geschmackserlebnissen.
Als Erfinder der Pizza Hawaii meinte Franz H. Ruchti später oft scherzhaft:
„Wenn jemand Pizza Hawaii erfinden darf, dann darf er auch Panna Cotta heissen.“
Und so wurde aus dem bleichen, unsportlichen Jungen aus dem Landorf Köniz schliesslich jener kreative Kopf, der mit seiner exotischen Pizza eine der bekanntesten Geschmacksrichtungen der Welt erschaffen haben soll.